Relaunch & Migration

Weiterleitungen vor und nach dem Go-live testen

Wie du Redirects auf Staging prüfst, Ketten vermeidest und alte URLs nach der Migration im Blick behältst.

alte URLs301301Soll = Ist?
Eoghan HennErstmals veröffentlicht: 03.10.2019Stand: 15.10.20268 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
  • Teste Weiterleitungen zuerst auf der Staging-Umgebung. Das senkt das Risiko, mit falschen Regeln live zu gehen. Den zweiten Test nach dem Go-live ersetzt es aber nicht.
  • Der Test ist ein Soll/Ist-Abgleich. Jede alte URL muss mit 301 direkt auf ihr geplantes Ziel zeigen, und das Ziel muss mit 200 antworten.
  • Nach dem Go-live crawlst du die alten URLs erneut und beobachtest sie weiter. Regeln entfernst du erst, wenn Logs und Backlinks es erlauben.

Bei einer Migration entscheiden die Weiterleitungen oft darüber, ob Rankings und Besucher bleiben. Ändern sich wichtige URLs und zeigen die alten danach ins Leere oder auf das falsche Ziel, verliert die neue Website Rankings und Besucher. Diese Anleitung zeigt, wie du Weiterleitungen vor und nach dem Go-live prüfst.

Warum solltest du vor dem Go-live testen?

Die neue Website liegt vor dem Start meist auf einer Staging-Umgebung. Dort richtest du die 301-Regeln ein und prüfst sie, bevor echte Nutzer und Googlebot sie sehen. Fehler, die du hier findest, kosten keinen Traffic. Den Test nach dem Go-live brauchst du trotzdem, denn Server, CDN und Konfiguration der Live-Umgebung können sich anders verhalten.

Das Redirect-Mapping vorbereiten

Das Mapping enthält alle alten URLs, die es nach der Migration nicht mehr gibt, jeweils mit ihrem neuen Ziel. Bei sehr großen Websites schaffst du das selten für jede URL. Dann zählen zuerst die URLs, die Wert haben.

QuelleWelche URLs
Search ConsoleURLs mit Klicks und Impressionen
Webanalyse, etwa GA4Landingpages mit Besuchen aus der organischen Suche
Rank TrackingURLs mit Rankings für deine Keywords
Backlink-DatenURLs mit Links von anderen Websites, aus der Search Console, Link-Datenbanken und Verweis-Berichten

Auch bei kleinen Websites lohnt diese Liste. Sie zeigt, welche URLs nach dem Go-live auf keinen Fall mit 404 antworten oder falsch weiterleiten dürfen.

Welche alten URLs brauchen ein Ziel?

Tausche in allen gesammelten URLs die Live-Domain gegen die Staging-Domain und crawle die Liste. Jede URL, die auf Staging nicht mit 200 antwortet, gehört ins Mapping. Prüfe vorher die 404-Seite der Staging-Umgebung. Ist sie falsch eingerichtet, antworten fehlende Seiten mit 200, und du übersiehst sie.

Das Ziel jeder Weiterleitung hat idealerweise denselben Inhalt wie die alte URL. Gibt es den nicht, nimm die Seite, die dieselbe Suchintention bedient.

Weiterleitungsketten vermeiden

Eine Kette entsteht, wenn eine URL auf eine zweite weiterleitet und diese auf eine dritte. Ketten kosten Crawl-Ressourcen und verlängern die Ladezeit. Googlebot folgt laut Google bis zu 10 Hops, danach bricht er ab. Für Website-Umzüge empfiehlt Google, Ketten möglichst auf drei und in jedem Fall auf weniger als fünf Weiterleitungen zu begrenzen. Am besten ist ein direkter Sprung.

  1. Trage als Ziel immer die vollständige URL mit Protokoll, Domain und Pfad ein. Prüfe, ob genau diese Variante mit 200 antwortet.
  2. Lass jede Variante der alten URL direkt auf das Ziel zeigen, also mit und ohne www, http und https, mit und ohne Slash am Ende.
  3. Globale Regeln wie http auf https oder ohne www auf www greifen erst nach den 1:1-Regeln, also nur für URLs ohne eigene Regel.
  4. Exportiere alle bestehenden Weiterleitungen. Zeigt eine davon auf eine URL, die jetzt selbst umzieht, trägst du das neue Ziel ein. In Excel oder Google Sheets geht das mit SVERWEIS. Alte Regeln, die auf Fehlerseiten führen, bekommen ein funktionierendes Ziel.
  5. Löse bestehende Ketten auf. Jedes Glied leitet direkt auf das letzte Ziel.

Mehr zu den Statuscodes und ihrer Wirkung steht im Ratgeber 301- und 302-Weiterleitung.

Weiterleitungen auf Staging testen

Die Staging-Umgebung hat meist eine eigene Domain oder Subdomain. Für den Test ersetzt du die Domain in allen Quell- und Ziel-URLs des Mappings durch die Staging-Domain. Jeder alte Pfad muss dort mit 301 auf das geplante Ziel zeigen, und das Ziel antwortet mit 200.

  1. Crawle die Liste der alten URLs mit Staging-Domain im Listenmodus deines Crawlers.
  2. Gleiche Statuscode und Ziel jeder URL per SVERWEIS mit dem Mapping ab.
  3. Lass Abweichungen beheben und crawle die Liste erneut, bis jede Zeile stimmt.

Für Stichproben reicht das Terminal. Der Befehl zeigt Status und Ziel einer URL, ohne der Weiterleitung zu folgen.

curl -s -o /dev/null -w "%{http_code} %{redirect_url}\n" https://staging.example.com/alte-kategorie/tisch/ 301 https://staging.example.com/moebel/tische/esstisch/

Für eine ganze Liste schreibst du jede URL in eine Zeile einer Textdatei und lässt das Ergebnis als Tabelle ausgeben.

while read url; do curl -s -o /dev/null -w "$url\t%{http_code}\t%{redirect_url}\n" "$url" done < alte-urls-staging.txt > ergebnis.tsv
Alte URLSoll-ZielStatusIst-ZielErgebnis
/alte-kategorie/tisch//moebel/tische/esstisch/301/moebel/tische/esstisch/stimmt
/sale/stuhl-12//moebel/stuehle/302/moebel/stuehle/falscher Code
/lampen//leuchten/301/leuchtenZiel ohne Slash, erzeugt Kette
/blog/alt//ratgeber/200–Regel fehlt

Sind alle Regeln richtig, ziehen sie meist mit der Website live. Du ersetzt nur die Staging-Domain in den Ziel-URLs durch die Live-Domain.

Sonderfall Domainwechsel

Bei einem Domainwechsel testest du genauso. Die Regeln liegen aber nur während der Testphase auf der neuen Website. Zum Go-live ziehen sie auf die alte Domain, denn dort kommen die Anfragen an. Jede alte URL leitet dann direkt auf ihr Gegenstück auf der neuen Domain.

Sind die Weiterleitungen auf alter und neuer Plattform unterschiedlich umgesetzt, kannst du auch auf einer Staging-Umgebung der alten Website testen. Dann musst du die Regeln zum Start nur noch live schalten.

Keine globale Domain-Tausch-Regel

Eine Regel, die nur die Domain austauscht, ist schnell eingerichtet. Als erster Schritt vor den 1:1-Regeln erzeugt sie Ketten. Auch als letzte Regel nach allen 1:1-Regeln schadet sie. Die alte Domain hat über die Jahre viele URLs gesammelt, die nicht mehr existieren oder mit 4xx und 5xx antworten. Die Tausch-Regel bildet all diese URLs auf der neuen Domain nach. Besser sind möglichst viele 1:1-Regeln, dazu Musterregeln für ganze URL-Typen. Was dann noch übrig ist, darf auf die neue Startseite. Halte diesen Rest klein, denn viele Weiterleitungen auf die Startseite sind ebenfalls ungünstig.

Nach dem Go-live testen, beobachten, reduzieren

Direkt nach dem Start crawlst du alle alten URLs aus dem Mapping auf der Live-Domain. Jede muss mit 301 auf ihr Ziel zeigen, und das Ziel muss mit 200 antworten. Danach beobachtest du die alten URLs regelmäßig weiter, denn Releases und neue Regeln können Weiterleitungen später wieder brechen.

Entwicklerteams fragen oft, ob viele Weiterleitungen die Website verlangsamen. Bei einer Migration gilt erst einmal, je mehr alte URLs korrekt weiterleiten, desto besser. Später zeigen Logfiles, welche alten URLs noch von Bots und Nutzern angefragt werden. Regeln für URLs ohne Abrufe und ohne Backlinks von anderen Websites können dann entfallen.

Wie lange sollten Weiterleitungen bleiben?

Google empfiehlt für Website-Umzüge, Weiterleitungen so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr. Entscheide deshalb frühestens nach einem Jahr und erst dann anhand von Logs und Backlinks.

Häufige Fehler

  • Die 404-Seite der Staging-Umgebung antwortet mit 200. Fehlende Seiten fallen beim Test nicht auf.
  • Ziel-URLs ohne Protokoll oder mit falschem Slash. Jede Regel erzeugt einen zusätzlichen Hop.
  • Alte Weiterleitungen aus früheren Relaunches bleiben unverändert und zeigen auf URLs, die jetzt selbst weiterleiten.
  • Beim Domainwechsel bleiben die Regeln auf der neuen Domain, und auf der alten fehlen sie.
  • Nach dem Go-live wird nur die Startseite geprüft, und die Liste der alten URLs bleibt ungetestet.

Häufige Fragen

Wie teste ich Weiterleitungen vor einem Relaunch?

Richte die Regeln auf der Staging-Umgebung ein, crawle alle alten URLs mit Staging-Domain und gleiche Statuscode und Ziel mit deinem Mapping ab.

Welche URLs gehören ins Redirect-Mapping?

Alle alten URLs, die es nach der Migration nicht mehr gibt. Bei großen Websites zuerst die mit Klicks, organischen Besuchen, Rankings und Backlinks.

Wie finde ich Weiterleitungsketten?

Ein Crawl der alten URLs zeigt jeden Hop. Im Terminal zeigt curl -sIL alle Stationen einer URL. Jede URL sollte mit einem einzigen Sprung auf ein Ziel mit Status 200 kommen.

Wie lange müssen Weiterleitungen nach einem Umzug bleiben?

Google empfiehlt, sie so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr. Danach helfen Logfiles und Backlink-Daten bei der Entscheidung.

Darf ich alle übrigen alten URLs auf die Startseite leiten?

Für einen kleinen Rest ist das vertretbar. Vorher solltest du so viele 1:1-Regeln und Musterregeln wie möglich anlegen.

Beim Relaunch ordnet searchVIU alte und neue URLs zu, schlägt passende Ziele vor und exportiert die Regeln als CSV, für Apache oder nginx. Die Staging-Umgebung crawlt searchVIU regelmäßig. Nach dem Go-live prüft searchVIU jeden Hop und gewichtet Fehler nach den Klicks der alten URL. Mehr dazu auf der Seite Redirect-Mapping.

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Quellen

Abgerufen am 15.10.2026. Ist eine Angabe veraltet oder fehlt etwas, schreib uns.

  1. Google, HTTP-Statuscodes, Netzwerk- und DNS-Fehler: https://developers.google.com/crawling/docs/troubleshooting/http-status-codes · Stand 04.02.2026
  2. Google, Weiterleitungen und die Google Suche: https://developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/301-redirects · Stand 14.04.2026
  3. Google, Website mit URL-Änderungen verschieben: https://developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/site-move-with-url-changes · Stand 20.08.2026
  4. RFC 9110, HTTP Semantics, Redirection 3xx: https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc9110.html#name-redirection-3xx · Juni 2022
  5. curl, Manpage, Option --write-out: https://curl.se/docs/manpage.html · Abruf 15.10.2026