Die Zahlen stammen aus unserem Crawl von Ende 2020. Einen neuen Crawl mit derselben Methode haben wir nicht gemacht. Den heutigen Stand bei Google und den KI-Crawlern beschreibt der Abschnitt Was sich seitdem geändert hat.
- Google indexiert heute auf Basis des gerenderten HTML. Die meisten KI-Crawler führen laut Vercel (Dezember 2024) kein JavaScript aus und sehen nur den Quelltext.
- Ende 2020 haben wir über 200 Domains gecrawlt, jeweils die Startseite und alle von ihr verlinkten URLs, und für jede Seite Quelltext und gerendertes HTML verglichen.
- Bei 96 Prozent der Domains und 56 Prozent der URLs gab es Unterschiede, am häufigsten bei Text und internen Links.
Frage und Methode
Jede Seite hat zwei Fassungen. Der Quelltext ist das HTML, das der Server ausliefert. Das gerenderte HTML entsteht, nachdem der Browser JavaScript ausgeführt hat. Dass Google auf Basis des gerenderten HTML indexiert, legten auch unsere Experimente mit dem Google Tag Manager nahe. Weichen die beiden Fassungen voneinander ab, sieht ein Crawler ohne Rendering eine andere Seite als Google.
Für die Studie haben wir über 200 Domains gecrawlt. Je Domain kamen die Startseite und alle URLs dazu, die von der Startseite verlinkt sind. Für jede Seite haben wir Quelltext und gerendertes HTML in den SEO-relevanten Bereichen verglichen, also Text, interne Links, Title und Meta-Tags wie Canonical und Robots.
Die Ergebnisse in Zahlen
| Kennzahl | Ergebnis |
|---|---|
| Domains mit Unterschieden in SEO-relevanten Bereichen | 96 Prozent |
| Betroffene URLs | 56 Prozent aller gecrawlten URLs |
| Domains mit Unterschieden nur auf Unterseiten, nicht auf der Startseite | 81 Domains, rund 35 Prozent |
| Häufigste Bereiche | zusätzlicher Text und interne Links |
| Seltener betroffen | Title, Canonical, Robots |
Fast jede Domain war betroffen, aber längst nicht jede Seite. Bei gut einem Drittel der Domains sah die Startseite in beiden Fassungen gleich aus. Prüfst du nur die Startseite, übersiehst du diese Fälle.
Interne Links
Fast alle gecrawlten Seiten hatten im gerenderten HTML zusätzliche Links. Auf einigen wichtigen Seiten kamen je Unterseite fast 3.000 Links dazu. Hier liegt vermutlich die gesamte Hauptnavigation nur im gerenderten HTML. Würde Google diese Links ignorieren, fehlten große Teile der Website im Index. Laut Dokumentation kommt jede Seite mit Status 200 in die Render-Warteschlange, sofern kein noindex im Quelltext oder im HTTP-Header steht.
Drei Muster sind uns aufgefallen, bei denen Links für Google verloren gehen oder ein unklares Signal senden.
| Muster | Beispiel aus dem Crawl | Folge |
|---|---|---|
| Links erst nach Mouseover | Ein Online-Shop für gebrauchte Elektronik schrieb Menülinks erst beim Überfahren mit der Maus ins DOM. | Googlebot löst unseres Wissens keine Mouseover-Ereignisse aus. Die Links fehlen deshalb für Google. |
| Gesperrte Ressource | Ein Modeversandhändler lud das Hauptmenü der Unterseiten per Ajax-Anfrage, die die robots.txt für Googlebot sperrte. | Für Googlebot fehlte die Navigation auf den Unterseiten. Auf der Startseite stand sie direkt im Quelltext. |
| Links per JavaScript gelöscht | Ein Elektronikhändler entfernte auf Unterseiten Links der Hauptnavigation, die im Quelltext standen, vollständig aus dem DOM. | Google findet die Links im Quelltext. Wie es das Löschen bewertet, ist offen. |
Ob diese Strukturen gewollt waren, ließ sich von außen nicht sagen. Für die Optimierung zählt, dass du sie kennst. Prüfe Links im gerenderten HTML deshalb vor jeder Interaktion, oder nutze einen Crawler, der rendert.
Zusätzliche Inhalte
Viele Domains luden im gerenderten HTML zusätzlichen Text nach. Oft war das der Consent-Banner. Bei einem Wetterportal brachte er eine große Menge Datenschutztext in die Seite. Erkennt Google so etwas nicht sauber als Boilerplate, kann es die eigentlichen Inhalte verwässern. In den Fällen, die wir näher angesehen haben, war nachgeladener relevanter Inhalt bei Google indexiert.
Title, Canonical und Robots
Ein Lebensmittel-Discounter optimierte seine Title per JavaScript. Google zeigte im Suchergebnis den Title aus dem gerenderten HTML, Bing den aus dem Quelltext. Setzt du Title per JavaScript, solltest du also damit rechnen, dass andere Suchmaschinen den Quelltext nehmen. Auf sehr großen Websites rendert Google womöglich auch nicht jede Unterseite.
Bei Canonical und Robots gab es nur auf wenigen Domains Unterschiede. Auffällig war ein zweiter Elektronikhändler. Seine Datenschutzseite trug im gerenderten HTML ein noindex, im Quelltext gar kein Robots-Tag. Die Seite stand trotzdem im Google-Index. Google hat das noindex aus dem gerenderten HTML hier offenbar nicht übernommen.
Vorsicht gilt auch, wenn JavaScript den Head verändert oder zu früh schließt. Ein Canonical, das dann im Body landet, zählt nicht, wenn es nur im gerenderten HTML steht.
Fazit der Studie
Kaum eine Website kommt ohne komplexes JavaScript aus, und das verändert, wie Google sie sieht. Rendering macht technisches SEO aufwendiger. Gerade bei der internen Verlinkung fallen viele Probleme erst bei genauer Prüfung auf. Title, Canonical und Robots gehören ebenfalls in den Vergleich. Richtig eingesetzt, kann JavaScript aber auch helfen, wie das Title-Beispiel zeigt.
Was hat sich seitdem geändert?
Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2020. Einen neuen Crawl mit derselben Methode haben wir noch nicht gemacht. Die Beispiele dürften sich inzwischen verändert haben. Die Google-Dokumentation zu JavaScript-SEO beschreibt heute mehrere Befunde der Studie selbst. Links per JavaScript ins DOM einzufügen ist laut Google in Ordnung, solange es <a>-Elemente mit href sind. Title und Meta Description dürfen per JavaScript gesetzt werden. Steht ein noindex schon im Quelltext, überspringt Google das Rendern womöglich. Auch für Canonicals per JavaScript gibt es klare Regeln. Sie stehen im Ratgeber Canonical per JavaScript.
Neu ist seit 2020 vor allem die Frage nach KI-Crawlern. Laut einer Auswertung von Vercel aus dem Dezember 2024 führen GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot und weitere KI-Crawler kein JavaScript aus. Inhalte und Links, die nur im gerenderten HTML stehen, sehen sie nicht. Google selbst schreibt, dass nicht alle Bots JavaScript ausführen können. Der Unterschied zwischen Quelltext und gerendertem HTML ist damit wichtiger geworden. Mehr dazu im Ratgeber KI-Crawler.
So prüfst du deine eigene Website
- Wähle je Seitentyp einige URLs aus, also Startseite, Kategorie, Produkt oder Artikel. Die Studie zeigt, dass die Startseite allein nicht reicht.
- Öffne die Seite und führe das folgende Skript in der Konsole aus, bevor du etwas anklickst.
- Vergleiche die Zahl der Links, Title, Canonical, Robots und hreflang in beiden Fassungen.
- Prüfe in der URL-Prüfung der Search Console mit dem Live-Test, ob Google die Seite so rendert wie dein Browser.
- Prüfe, ob die robots.txt Skripte oder Ajax-Quellen sperrt, die für Navigation oder Inhalte nötig sind.
Häufige Fehler
- Nur die Startseite wird geprüft, obwohl die Abweichungen auf den Unterseiten liegen.
- Links im DOM werden erst geprüft, wenn das Menü schon geöffnet ist.
- Die robots.txt sperrt eine Ressource, die die Navigation lädt.
- Ein Crawler ohne Rendering dient als einzige Quelle für die interne Verlinkung.
- noindex wird per JavaScript gesetzt oder entfernt, ohne zu prüfen, was Google übernimmt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Quelltext und gerendertem HTML?
Der Quelltext ist das HTML, das der Server ausliefert. Das gerenderte HTML ist der Stand, nachdem der Browser JavaScript ausgeführt hat. Google indexiert auf Basis des gerenderten HTML.
Wie viele Websites sind von JavaScript-Unterschieden betroffen?
In unserer Studie von 2020 hatten 96 Prozent von über 200 Domains Unterschiede in SEO-relevanten Bereichen, und betroffen waren 56 Prozent der URLs.
Folgt Google Links, die erst per JavaScript entstehen?
Ja, wenn es <a>-Elemente mit href sind und sie ohne Interaktion im DOM stehen. Links, die erst nach Mouseover oder Klick entstehen, sieht Googlebot nicht.
Sehen KI-Crawler das gerenderte HTML?
Die meisten nicht. Laut Vercel führen GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot kein JavaScript aus. Sie lesen nur den Quelltext.
Wie finde ich Unterschiede auf einer großen Website?
Mit einem Crawler, der jede Seite rendert und Quelltext und gerendertes HTML je URL vergleicht. Stichproben im Browser zeigen nur einzelne Seiten.
Quellen
Abgerufen am 15.10.2026. Ist eine Angabe veraltet oder fehlt etwas, schreib uns.
- Google, JavaScript-SEO-Grundlagen: https://developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/javascript/javascript-seo-basics · Stand 04.03.2026
- Google Search Central Blog, The new evergreen Googlebot: https://developers.google.com/search/blog/2019/05/the-new-evergreen-googlebot · Mai 2019
- Search-Console-Hilfe, URL-Prüftool: https://support.google.com/webmasters/answer/9012289 · Abruf 15.10.2026
- Vercel, The rise of the AI crawler: https://vercel.com/blog/the-rise-of-the-ai-crawler · 17.12.2024
- ohgm, Breaking Head Quietly: https://ohgm.co.uk/breaking-head-quietly/